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(Noch) keine KI-Revolution in der Internen Kommunikation

Wir zur Lage der Kommunikation – alles tbd. Heute: Steffen Schier über die Diskrepanz zwischen KI-Nutzung und struktureller Implementierung in der IK.

Steffen Schier

Steffen Schier

Competence Lead interne Kommunikation

Revolution vertagt: In der Internen Kommunikation scheint der große KI-Durchbruch vorerst aus zu bleiben. Laut dem Trendmonitor Interne Kommunikation 2026 nutzt nur jede:r fünft:e Kommunikator:in Künstliche Intelligenz an der Schnittstelle zu Mitarbeitenden. Ein Blick in die Vergangenheit und eine grundsätzliche hohe Akzeptanz stimmen jedoch optimistisch: Die breite Einführung der Technologie in den Organisationen folgt voraussichtlich zeitversetzt nach einer intensiven Planungsphase.

In der aktuellen Ausgabe des zweijährlich erscheinenden Trendmonitors Interne Kommunikation 2026  von SCM und Staffbase benennen Fach- und Führungskräfte aus der Internen Kommunikation, welche Kommunikationskanäle sie einsetzen, um ihre Mitarbeitenden zu erreichen. Hier gilt teilweise das Motto: Totgesagte leben länger! Zum Beispiel die gedruckte Mitarbeitenden-Zeitung: Sie wurde über die Jahre hinweg schon von so vielen Befragten abgeschafft, dass man sich wundern muss, dass überhaupt noch eine einzige existiert. In Unternehmen mit mehr als 50.000 Mitarbeitenden erfreut sie sich jedoch weiterhin größter Beliebtheit – mehr als die Hälfte (53 %) hat noch eine. Analog gewinnt, wenn digital fehlt: Print entfaltet seine Wirkung besonders dort, wo viele Beschäftigte keinen PC-Zugang haben und keine Mitarbeitenden-App etabliert ist. Oder einfach als legitimer Teil des Medienmixes. Hierzu ein beinahe gruseliges Detail: Drei von 431 Befragten haben das „Persönliche Gespräch“ in der internen Kommunikation abgeschafft!

Im Vergleich zum Gespräch ist die KI als “Channel” ja noch ein recht junges Phänomen, weshalb sie auch noch keiner abgeschafft hat: 22 Prozent nutzen KI an der Schnittstelle (zum Beispiel Bots) zu ihren Mitarbeitenden. Das klingt nach wenig. Nun ist es aber nicht so, dass Interne Kommunikator:innen in einer Welt von gestern leben.

Unsere fischerAppelt-Umfrage gemeinsam mit SCM zeigt, dass 102 Befragte KI sehr wohl selbst nutzen oder es demnächst starten. Sie schreiben Texte damit oder optimieren sie (95 %), recherchieren (73 %), übersetzen (61 %) und konzipieren (49 %). Weniger als 20 Prozent allerdings personalisieren durch KI Inhalte und analysieren Daten. Verpasste Chancen, um passgenaue Texte für verschiedene Mitarbeitenden-Zielgruppen zu schreiben oder potentiellen Krisen vorzubeugen!

Die Studien offenbaren ein Missverhältnis bei der KI-Adaption: Während viele Kommunikator:innen Künstliche Intelligenz für ihre Arbeit einsetzen, hinkt die strukturelle Implementierung stark hinterher. Warum ist das so? 68 Prozent unserer Befragten sehen Datenschutz und rechtliche Bedenken als Top-Herausforderungen. Hürden sind unter anderem die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der AI Act der Europäischen Union. Fehlendes Know-how (58 %) und eine fehlende strategische Einbettung (49 %) in Geschäftsprozesse sind ebenfalls Hemmnisse.

Umfrage unter Kommunikationsexpert:innen

Herausforderungen beim Einsatz von KI in der internen Kommunikation

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Umfrage „Am Puls der Zeit“, BEYOND#29, S.44/45. Online-Umfrage unter 102 Kommunikationsexpert:innen, 2025. Mehrfachantworten möglich.

Was die mittelfristige Implementierung von KI in der IK angeht, bin ich aber optimistisch. Grundvoraussetzung wäre allerdings, dass die IK mit ausreichend Personal und Budget ausgestattet ist und sich selbst als Instanz begreift, die die technologische Entwicklung in Unternehmen und Organisationen vorantreibt.

Laut Trendmonitor sehen 92 Prozent der Befragten KI mehr als Chance denn als Risiko. Und auch ein Blick in die Vergangenheit kann Hoffnung machen. So schreibt der Studienautor des Trendmonitors, Malte Oberländer, bezüglich der Digitalisierung der Internen Kommunikation in großen Unternehmen: „In Konzernen mit über 50.000 Mitarbeitenden sind Kanäle wie Social Intranets (71 %), Mitarbeiter-Apps (65 %), […] , Podcasts (53 %) und Digital Signage (82 %) weit stärker in Gebrauch und damit etablierter als in kleinen und mittleren Organisationen. Während 2022 hier vor allem Planungswerte dominiert haben, zeigt sich 2026, dass viele dieser Vorhaben inzwischen realisiert wurden.“ Ein Beleg, dass Geduld sich auszahlt – vorausgesetzt, am Ende steht eine sichere und gut funktionierende KI.

Über den Autor

Steffen Schier  ist Competence Lead Interne Kommunikation und Employer Branding bei fischerAppelt. Seit vielen Jahren betreut er Projekte aus der Internen Kommunikation, die seiner Meinung nach von Unternehmen mit der gleichen strategischen Sorgfalt und den gleichen Budgets bedacht werden sollten wie die externe. Seine Schwerpunkte liegen zurzeit bei der Begleitung von Transformationsprozessen, internen Content-Strategien und Erfolgsmessung.